Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf übernimmt künftig Schlüsselrolle im Hamburger Südosten

09. Juni 2026

Mit der geplanten Neuordnung und Verlagerung des Akutbereichs des BG Klinikums stellt sich das Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf auf eine deutlich wachsende Versorgungsaufgabe im Hamburger Südosten ein. Gleichzeitig macht die Klinik deutlich, welche strukturellen, medizinischen und politischen Entscheidungen jetzt notwendig sind, um die Versorgung nachhaltig zu sichern.

„Wenn ein wesentlicher Teil der Akutversorgung des BG Klinikums umzieht, sind wir für rund 200.000 Menschen im Bezirk Bergedorf und Umland das nächstgelegene Krankenhaus. Das ist eine enorme Verantwortung, die wir sehr gerne annehmen“, erklärt Ulla Berlit, Geschäftsführerin des Agaplesion Bethesda Krankenhauses Bergedorf. „Dafür brauchen wir jetzt klare und zügige Entscheidungen – in der Infrastruktur, in der medizinischen Ausrichtung und im Rahmen der Krankenhausplanung sowie damit einhergehender Finanzierung.“

Schon heute ist das Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf als Notfallversorger der Stufe 2 ein tragender Pfeiler der regionalen Versorgung in der Region. Rund 33.000 Notfallkontakte jährlich und eine kontinuierlich steigende Nachfrage verdeutlichen die Dynamik im Südosten Hamburgs. 

Mit dem Wegfall der Akutversorgung am BG Klinikum in Bergedorf ist davon auszugehen, dass die Zahl der Notfallversorgung und somit auch die stationäre Patientenversorgung insbesondere im unfallchirurgischen Bereich weiter deutlich steigen werden.

Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Neurologie, Dr. Frank Trostdorf, betont: „Wir werden künftig noch mehr Menschen in akuten Situationen versorgen – und zwar unter zunehmender medizinischer Komplexität. Entscheidend ist, dass wir diese Patientinnen und Patienten nicht nur erstversorgen, sondern durchgehend weiter behandeln können.“

Ulla Berlit hebt die potenziellen Auswirkungen mangelnder Strukturen hervor, die sich aus der Nichtzuweisung von Leistungsgruppen im Zuge der Umsetzung der Krankenhausplanung 2027 der Freien und Hansestadt Hamburg ergeben können:  „Wenn zentrale Bausteine der Weiterbehandlung und Spezialisierung für ausgewählte Krankheitsbilder fehlen, führt das zu deutlich mehr Verlegungen in andere Kliniken. Das bedeutet zusätzliche Sekundärtransporte, längere Wege für Patientinnen und Patienten sowie Angehörige – und eine zusätzliche Belastung für den Rettungsdienst.“

Genau das ist aus Sicht des Krankenhauses der zentrale Punkt: Ein reines Portfolio würde etwa aus Basis-Notfallversorgung zu kurz greifen – medizinisch wie wirtschaftlich. „Wenn wir unser bestehendes Portfolio, welches ein professionelles, integriertes medizinisches Netz für unsere Patienten darstellt, nicht behalten können, kann ein Krankenhaus wie unseres nicht bestehen“, so Ulla Berlit. „Der Großteil der Patienten, die wir in unserer Notaufnahme versorgen, wird rein ambulant versorgt – und diese Leistungen sind finanziell nicht ausreichend, um eine leistungsfähige Infrastruktur nachhaltig zu finanzieren. Zukunftsfähigkeit entsteht nur durch ein integriertes medizinisches Angebot. Wir brauchen ein Portfolio, das medizinisch sinnvoll ist und ineinandergreift.“ Dieses integrierte Modell bedeutet: Notfallversorgung, in der Basis sowie auch in der Spezialisierung – ohne Brüche, ohne Verlegung, ohne Zeitverlust.“ So können wir jederzeit auf Komplikationen reagieren und Behandlungsverläufe ohne Verzögerungen qualitativ gut weiterversorgen.

Wie wichtig das ist, zeigt sich exemplarisch in der Neurologie: Das Agaplesion Bethesda Krankenhaus betreibt eine der größten Stroke Units Hamburgs und behandelt rund 1.100 Schlaganfälle jährlich. Der Vorteil liegt in der unmittelbaren Weiterbehandlung im Haus –  etwa durch Gefäßmedizin oder Kardiologie, wenn sich der Behandlungsbedarf entsprechend entwickelt. So entsteht eine nahtlose Versorgungskette aus Diagnostik, Therapie und Weiterbehandlung. 

Ähnliches gilt für weitere Bereiche: Die Wirbelsäulenchirurgie erfolgt im Agaplesion Bethesda Krankenhaus überwiegend aus Notfällen heraus und wird durch die Zertifizierung als lokales Traumazentrum Anfang diesen Jahres zusätzlich gestärkt. Dazu Ulla Berlit: „Das ist der erste Schritt. In den kommenden Jahren möchten wir unser Krankenhaus zum regionalen Traumazentrum ausbauen, damit wir künftig Patienten mit Arbeitsunfällen nicht nur ambulant, sondern auch stationär behandeln können.“

Ein wesentliches Element für das Bethesda sieht die Krankenhausleitung auch in Bezug auf die Vergabe der sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) durch den erweiterten Landesausschuss. In einem INZ werden ambulante und stationäre Notfallstrukturen organisatorisch verzahnt, so dass Patientinnen und Patienten direkt in die passende Versorgungsform gesteuert werden. Aus Sicht des Bethesda Krankenhauses ist der Bedarf aufgrund des erheblichen Leistungswachstums in der Notaufnahme gegeben:

„Ohne ein Integriertes Notfallzentrum landen alle Patienten ungefiltert in der Klinikstruktur, auch solche die ambulant behandelt werden könnten. Dadurch werden wichtige Ressourcen in der Notaufnahme gebunden und schwer kranke Patienten müssen länger warten“, erklärt Trostdorf.

„Die bestehende Notaufnahme wurde 2009 auf rund 25.000 Patienten ausgerichtet und wird der zukünftigen Entwicklung nicht mehr gerecht“, so Ulla Berlit. „Deshalb ist der Erweiterungsbau der Zentralen Notaufnahme sowie die Modernisierung der Funktionsbereiche zwingend notwendig.“ Verbunden damit stellt die Agaplesion-Geschäftsführerin eine klare Forderung: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und alle erforderlichen Unterlagen für die Baumaßnahme eingereicht. Jetzt brauchen wir zeitnah den Förderbescheid für den Neubau der Notaufnahme, damit wir die steigende Nachfrage auch langfristig sichern und die Versorgungsbedarfe im Hamburger Südosten nachhaltig umfassend gewährleisten können.“ 

Abschließend richtet das Krankenhaus einen Appell an die Entscheider der Krankenhausreform: „Unser medizinisches Konzept ist klar auf die zukünftigen Bedürfnisse der Region ausgerichtet. Jetzt kommt es darauf an, dass dieses Leistungsspektrum auch genehmigt wird“, betont die Krankenhausleitung. „Nur so können wird langfristig eine gute umfassende medizinische Versorgung für die Menschen in der Region ermöglichen, stetig in unseren Standort investieren sowie als einer der größten Gesundheitsarbeitgeber in der Region die Arbeitsplätze sichern.“