20. September 2026
Im Rahmen der bundesweiten Woche der Wiederbelebung waren Dr. Florian Riesler, Chefarzt der Anästhesie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf, und Paul Menzel, stellvertretende pflegerische Leitung der Anästhesie- und Aufwachraumpflege sowie Leiter der Reanimationsschulungen, zu Gast in der Kita. Im Gepäck hatten sie nicht nur Übungspuppen und Verbandsmaterial, sondern vor allem eine wichtige Botschaft: Helfen kann jeder. Auch die Kleinsten.
Schon beim Betreten des Raumes war die Neugier der Kinder spürbar. Wie funktioniert ein Notruf? Wann brauche ich die stabile Seitenlage? Und kann ich wirklich jemandem helfen, wenn es ihm nicht gut geht? Geduldig beantworteten Riesler und Menzel jede Frage und bezogen die Kinder aktiv ein.
Besonders spannend wurde es, als die Mädchen und Jungen selbst ausprobieren durften, wie die stabile Seitenlage funktioniert. Mit erstaunlicher Konzentration halfen sie sich gegenseitig beim richtigen Drehen und Lagern. An den Übungspuppen lernten sie außerdem die Grundlagen der Herzdruckmassage kennen.
„Kinder haben eine natürliche Bereitschaft zu helfen“, sagt Dr. Florian Riesler. „Sie gehen ohne Angst an solche Themen heran. Wenn wir dieses Selbstverständnis früh fördern, legen wir einen wichtigen Grundstein für später. Denn im Notfall zählt vor allem eines: nicht wegzuschauen.“
Dass Wiederbelebung bereits im Kindesalter thematisiert wird, hat einen guten Grund. Zwar verfügen Kita-Kinder noch nicht über die körperliche Kraft, um bei Erwachsenen eine vollständige Herzdruckmassage wirksam durchführen zu können. Sie lernen jedoch, Notsituationen zu erkennen, Hilfe zu holen, den Notruf zu wählen und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Fähigkeiten, die im Ernstfall entscheidend sein können.
Für Paul Menzel sind solche Besuche deshalb weit mehr als eine spielerische Aktion. „Wir möchten den Kindern vermitteln, dass Helfen etwas ganz Normales ist. Wer früh lernt, Verantwortung zu übernehmen und keine Berührungsängste entwickelt, wird später mit größerer Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich helfen. Das kann Leben retten.“
Immer wieder staunten die beiden Fachkräfte darüber, wie aufmerksam die Kinder zuhörten und wie ernst sie die Übungen nahmen. Zwischen vielen Fragen und fröhlichem Lachen entstanden Momente, die zeigten, wie gut selbst komplexe Themen altersgerecht vermittelt werden können.
Ein weiteres Highlight wartete zum Abschluss auf die jungen Teilnehmenden: Ein Krankentransportwagen des DRK Bergedorf fuhr auf das Kitagelände. Mit großen Augen erkundeten die Kinder das Fahrzeug, durften einen Blick in den Innenraum werfen und erfuhren aus erster Hand, welche Ausrüstung Rettungskräfte bei ihren Einsätzen dabeihaben.
Am Ende des Vormittags waren sich alle einig: Erste Hilfe ist keine Frage des Alters. Natürlich werden die Vorschulkinder morgen noch keine Rettungskräfte sein. Aber sie haben gelernt, dass man nicht hilflos sein muss, wenn jemand Hilfe braucht. Dass ein Anruf, ein Hilferuf oder das Holen eines Erwachsenen bereits ein wichtiger Beitrag sein kann.
Und vielleicht war genau das die wichtigste Lektion des Tages: Mut zu haben, nicht wegzuschauen und füreinander da zu sein. Die Kinder der Kita Kunterbunt haben eindrucksvoll gezeigt, dass man dafür nicht groß sein muss. Manchmal reichen schon kleine Hände und ein großes Herz.